Blasentraining im Pflegealltag, Sinn oder Unsinn ? 

 Bei einem liegenden transurethralen Dauerkatheter ist Blasentraining kontraindiziert

Im Expertenstandard zur Förderung der Harnkontinenz wird Blasentraining als kontinenzfördernde Maßnahme thematisiert. Im Pflegealltag zeigen sich aber häufig große Unsicherheiten und daraus resultierende Schwierigkeiten bei der Umsetzung.

Blasentraining bedeutet immer eine dauerhafte und intensive pflegerische Betreuung, möglichst durch speziell gut geschultes Pflegepersonal, welche mit Patienten und / oder Angehörigenschulung einhergeht.

Kontinenztraining beinhaltet das Toilettentraining, Beobachtung des Trinkverhaltens und ggf. auch das Beckenbodentraining. Bei einem suprapubischen Dauerkatheter ist es einerseits eine Möglichkeit die Spontanmiktion zu fördern und zu prüfen, andererseits durch gleichzeitiges Toilettentraining auf eine dauerhafte Entfernung des Blasenkatheters hinzuarbeiten.

Man muss ressourcenorientiert entscheiden bei welchen Patienten diese aufwändige Maßnahme erfolgversprechend ist. Hierbei muss das Augenmerk nicht nur auf die kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit des Betroffenen gelegt werden, sondern auch auf das soziale Umfeld, die Situation der Betreuung in der häuslichen Umgebung oder in einer stationären Pflegeeinrichtung. 

Inkontinenz ist einer der häufigsten Gründe zur Aufnahme in ein Pflegeheim. Erfolgreiches Blasentraining kann aber eine Strategie sein, länger in der häuslichen Umgebung zu verbleiben, wobei Betroffene in stationären Pflegeeinrichtungen bei Erfolg zumindest ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen. Da eine nicht oder schlecht kompensierte Inkontinenz immer einen erhöhten Pflegeaufwand bedeutet, ist ein erfolgreiches Kontinenztraining schlussendlich nicht nur eine Entlastung für die Pflegenden, sondern hat auch positive wirtschaftliche Aspekte.

Der Effekt der Maßnahme Blasentraining ist immer im Einzelfall und zeitnah zu beurteilen, aber grundsätzlich zu befürworten, da kaum Komplikationen zu befürchten sind.

   

Restharnbestimmung und Überprüfung der Miktionsfähigkeit bei suprapubischem Katheter/ Bauchdeckenkatheter

(vorsätzlich befreit von medizinischen Fachausdrücken)


Grundwissen

Die Blase ist ein Hohlraum dessen Wände aus Muskelgewebe besteht. Verschlossen wird die Blase durch die Schließmuskel. Diese Schließmuskeln kann der Mensch im Normalfall willentlich beeinflussen, z. Bsp. bei Harndrang verschließen bis eine Toilette erreichbar ist bzw. öffnen zur Blasenentleerung.

Wenn ein Blasenkatheter durch die Bauchdecke gelegt wurde läuft der Urin über den Katheter ab und die Blase ist immer entleert. Durch diese Dauerentleerung schrumpft der Blasenmuskel, das Fassungsvermögen der Blase wird kleiner.

Vorgehensweise             

Die Übungen sollten Sie immer in möglichst entspannter Atmosphäre durchführen. An diesem Tage nicht zu viele Termine durch Physiotherapie etc. planen. Ein großer Fehler ist es die Trinkmenge, vielleicht auch unbewusst, einzuschränken, damit man nicht so oft zur Toilette muss. Vorteilhaft ist es ein Katheterventil zubenutzen (aus hygienisch/ praktischen Gründen), um unnötiges Diskonnektieren vom Katheter zu vermeiden. Bitte das Trinken nicht vergessen.

Zu Beginn sollte man nach etwa 2 Stunden versuchen die Blase willentlich zu entleeren, falls sie sich bis dahin noch nicht von allein mit Harndrang gemeldet hat. Sollten sie innerhalb von 4- 5Stunden keinen Harndrang verspüren, muß die Blase ggf. über das Katheterventil entleert werden. Im Laufe der nächsten Tage sollte sich ein gewisser Rhythmus der Blasenentleerung einstellen.  Zu Beginn kann ein Brennen beim Wasserlassen auftreten, auch hier heißt es dann: viel trinken! Es ist gut möglich dass sich die Blase sich häufig meldet. Sollte diese Situation auch nach ein paar Tagen anhalten, kann der Arzt ggf. mit einem Medikament zur Blasenentspannung unterstützend eingreifen. Die ersten Tage sollten Sie die Blase in der Nacht weiter über den Urinbeutel entleeren. Wenn die Blasenentleerung tagsüber problemlos funktioniert sollten sie versuchen in der Nacht den Katheter zu verschließen. Direkt nach dem spontanen Wasserlassen sollten sie die Restharnmenge in Ihrer Blase bestimmen und dokumentieren. Zur Restharnmessung öffnen Sie nach der Blasenentleerung das Katheterventil und messen die jetzt noch abfließende Urinmenge ab. Diese Urinmenge sollte auf Dauer 100 ml keinesfalls überschreiten. Die Restharnmessung sollten Sie 1-2 x innerhalb 24 Stunden durchführen. Bei unkompliziertem Verlauf 2- 3 x in der Woche weiterführen. Ansonsten muss der Katheter auch nach dem Wasserlassen verschlossen bleiben.

Ist die Restharnmenge größer als 100 ml, können sich in diesem Restharn leicht Bakterien vermehren und es kommt zu einer Blasenentzündung. Bei diesen Restharnmengen entfernt man den Katheter nicht.  Normalerweise müssen Sie einen Zeitraum von etwa 4- 8 Wochen einplanen um sicher zu gehen dass die Blase ihre alte Funktion zuverlässig wieder aufgenommen hat. Im Laufe der Zeit sollen die Miktionsabstände immer größer werden. In vielen Fällen kann der suprapubische Katheter nach einiger Zeit problemlos entfernt werden. Das Einstichloch verschließt sich in aller Regel sehr schnell von allein. In Ausnahmefällen kann der Katheter jedoch nicht entfernt werden, weil z. Bsp. die Blasenschließmuskel ihre Arbeit nicht wieder aufnehmen. Auch Prostataleiden und Harnröhrenverengungen können zum Problem werden. Dabei kann es zu Blasenentleerungsstörungen bis zum kompletten Harnverhalt kommen. Inkontinenz lässt sich je nach Indikation auch durch saugende Inkontinenzprodukte kompensieren.

 

Diese Anleitung ersetzt keinesfalls die ausführliche praktische Anleitung, Beratung und Begleitung einer Urotherapeutin mit und am Patienten. Sie ersetzt ebenfalls nicht die ärztliche Versorgung.

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©BarbaraSchilcher, Urotherapeutin 2015

 

 

 

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